Der Bergbau in künstlerischen Darstellungen.

Der "Berggeist"


Eine volkstümliche Holzschnitzerei von 1955.

Hergestellt von SCHMALZ, einem Schnitzer aus dem Bergbaugebiet Sulzbachtal
bei Freiburg im Schwarzwald.

Grösse der Figur aus Fichte : 68 cm hoch, 51 cm breit, 16 cm tief.



Vorgeschichte.

Der Bergmann fand im Nonnenmattweiher,
einem Hochmoor oberhalb von Badenweiler,
das Bruchstück eines Holzstammes das schon
einige Jahrhunderte im Moorwasser gelegen hatte.
Er nahm das dunkel eingefärbte und zum Teil
vermoderte Holz mit nach Hause und schnitt es
in der Längsachse auf. Die Struktur einer Fichte
wurde dabei erkennbar, in derem weicheren
Kernholz eine Röhre entstanden war, die weit
hinunterreichte und sich unten mit einem leeren
Astloch verbunden hatte.
Bei der Betrachtung dieses Gebildes interpretierte
der Schnitzer das Astloch als aufgerissenen
Mund des Berggeistes und schuf drumherum
diese ungewöhnliche Schnitzerei.

 



Exkurs zum Berggeist.


Die Sage vom Berggeist ist so alt, wie der Bergbau.
Sie stammt aus dem heidnischen Götterglauben, der auch Naturereignisse personifizierte.
Die Unbilden des Bergwerkes mit Unglücksfällen, aber auch die Auffindung besonders
reicher Erze oder wunderbare Errettungen aus der Bergnot wurden einer besonderen Macht
zugeordnet, die allmählich als Beherrscher des unterirdischen Reiches - als Berggeist -
auftrat. Der Berggeist trat in damaliger Vorstellung überwiegend als bärtiger Mönch in
riesiger Gestalt auf, der gebückt durch die Grubenräume wandelte. Er hielt unter Tage Zucht
und Ordnung aufrecht und bestrafte deren Verletzung. Er duldete kein Fluchen und Lästern,
er warnte vor hereinbrechender Gefahr, belohnte Wohlverhalten, rettete und half.

Der Berggeist soll, der Sage nach, auch das Pfeifen in der Grube verboten haben um nicht
durch unnützen Lärm im Schlaf gestört zu werden. Ein alter Bergmannsspruch lautet:
" met Singen und Piepen ward di der Berggeist griepen"
(mit Singen und Pfeifen wird dich der Berggeist greifen).
Tatsächlich ist ein solches Verbot aus Thüringer und Schlesischen Bergwerken überliefert.
Dort waren giftige Gase im Gestein eingeschlossen die, wenn sie beim Abbau angeritzt wurden,
mit schrillem Pfeifen aus Spalten entwichen und die Bergleute zur Flucht veranlaßten.
Um dieses natürliche Warnsignal nicht mit Lippenpfeifen zu verwechseln, soll den Bergleuten
das Pfeifen in der Grube strengstens untersagt gewesen sein.


Eine der schönsten Darstellungen des Berggeistes ist im Freiberger Stadt- und Bergbaumuseum
zu sehen. Das "Bergmännische Glasfenster von Paul Mißbach 1009/10" kann den Betrachter
verzaubern und in die Sagenwelt der Bergleute zurückversetzen.
Ein Farbfoto von Uwe KOLLS stellte für diese Seite freundlicherweise Herr Dr. THIEL,
der Museumsleiter zur Verfügung.










Beschreibung der Schnitzerei.






Einfühlsam hat der Schnitzer nur das Gesicht rings um das offene Astloch herausgearbeitet, alles
andere an diesem Holzstück ist so naturbelassen wie das Moor es in hunderten Jahren gestaltete
und einfärbte. Besonders gelungen ist die Einbeziehung der natürlichen Furchen für die Darstellung
des wehenden, lockigen Bartes und der wilden Haartracht.











Schaut der Berggeist grimmig oder gütig??? Schimpft oder lobt er ???

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