Die Harzer "Gebirgsmarine"
Der historische unterirdische Erztransport in Lastkähnen im Oberharzer Bergbau .
Das Wasser hatte im historischen Bergbau eine
grosse Bedeutung; es war Feind und Freund
des Bergmannes zugleich.



Das einsickernde Wasser und die Grundwasser bedrohten
ständig den Grubenbetrieb.

Die Gruben mussten ständig vor dem Ersaufen gerettet
werden. Dies geschah entweder durch die Ableitung des
Wassers über Wasserlösungsstollen die unter dem
Niveau der Bergwerke aufgefahren wurden.

(die Lösung bis 1763 mit den 19, 16, 13 Lachter-Stollen
ist unter Bergbaukarten beim Kapitel "
der Oberharzer Flachriss von 1661" beschrieben),

oder, wenn kein Wasserlösungsstollen zur Verfügung stand,
durch Heben des Wassers mit Pumpenkünsten die durch
Wasserräder angetrieben wurden
(Prinzip Wasser gegen Wasser).

Die Bergleute des Oberharzes betrieben eine ausgeklügelte
Wasserwirtschaft mit Teichen und Gräben
als Wassersammel-und Verteilungssystem
um das Wasser als kontinuierliche Antriebskraft
für ihre Wasser-, und Kehrräder zu nutzen
mit denen sie in den Schächten die Erzförderung,
die Kunstfahrten-, und Pumpenbetriebe sicherstellten,
wie auch über Tage den Betrieb von Pochwerken
zur Erz-Zerkleinerung.

Dabei gelang ihnen eine oft kilometerlange Übertragung
der Wasserkraft über Kunstgestänge,
und die mehrfache Aufschlagswasser-Nutzung über
die Schwerkraft durch eine geschickte Anordnung der
Wasserräder auf verschiedenem Niveau.





 



Die Wasserlösungsstollen des Oberharzes.

 


Legende:
.......................................

gelb =
Tiefer Georg-Stollen


1777 - 1799
= 10,5 km aufgefahren,
nach Fertigstellung 1834 = 26 km lang
135 Teufe unter 13 Lachterstollen.

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rot = Tiefe Wasserstrecke

1803 - 1836 = 6,75 km aufgefahren,
todsöhlig = ohne Gefälle
kein Mundloch
,
115 m Teufe unter dem
Tiefen Georgstollen
,
1830 - 1895 zur Erzkahn-Förderung genutzt.
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blau = Ernst August Stollen

1851 -1892 = 40,2 km aufgefahren,

Verlängerung der Tiefen Wasserstrecke
nun mit Gefälle bis Ort Gittelde,

230 m darunter wurde die
Tiefste Wasserstrecke als neues
Wasser-Auffangbecken aufgefahren.

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Gruben:
°1 = Silbersegen
°2 = Caroline
°3 = Ottiliae-Schacht
°4 = Schacht Dorothee
°5 = Schact Anna Eleonore
°6 = Schacht Herzog Georg Wilhelm
°7 = Schacht Wilhem II




Untertägige Erzförderung auf dem Wasser.


So ist es nicht verwunderlich, dass diese Bergleute schon um
1817 planten das Grubenwasser in den todsöhligen (ohne Gefälle) Wassersammelstrecken auf einem konstanten Pegel zu halten um
darauf mit Kähnen Personen und später auch die abgebauten Erze
zu transportieren.
 












  Die Skizze zeigt 1 : 25 den
Beladevorgang eines Erzkahnes.



Von der Kopfstrecke aus
wurde das Erz in ein Rolloch gestürzt.


Über den unteren Verschluss
konnte die Aufgabemenge
von der 10 Meter langen Rampe
aus dosiert werden.



Der untere Bildteil zeigt die
mit Lastkähnen
befahrbare Wasserstrecke.

Der konstante Wasserstand ist
blau gefärbt dargestellt.


Rot ist die Tauchtiefe des
leeren Kahnes dargestellt.

Nur mit Muskelkraft ihrer Arme
bewegten die Schiffer den Kahn.
An einer unter der Streckenfirste befestigten Kette (später durch ein Drahtseil ersetzt) hangelten (treidelten) sie sich auf dem
Wasser voran.







Umfang und Betrieb der untertägigen Flotte.

1830
wurde der Erztransport auf Kähnen aufgenommen,
und erst 1898 eingestellt.
Durch die fortschreitende Elektrifizierung war die trockene
Streckenförderung des Erzes durch Elektrolokzüge
wirtschaftlicher geworden.

In 340 Meter Tiefe war zuletzt eine Flotte von 50 Kähnen unterwegs
um täglich 270 Tonnen Erz von den Gruben zu zwei Förderschächten
zu transportieren. Das entspricht einer Jahresförderung von 70 000 Tonnen.

Die Harzer"Gebirgsmarine" war 300 Mann stark, in sie wurden überwiegend
Berginvaliden rekrutiert die im schweren Gewinnungsbetrieb nicht mehr
eingesetzt werden konnten.

Die Lastkähne waren bis zu 10 Meter lang, 1 Meter hoch, 1,4 Meter breit.
Beladen mit 100 Zentner Erz hatte ein Kahn 0,68 Meter Tiefgang in
der konstant auf 1,23 Meter gehaltenen Wasserhöhe in der Strecke.

Besetzt war ein Kahn mit zwei Mann, die ihn an einen 18 mm Drahtseil,
welches längst an der Streckenfirste befestigt war, vorwärts zogen.
Die Geschwindigkeit eines mit 5 Tonnen Erz beladenen Kahnes lag bei
12 Meter pro Minute.

Die Holz-, und später auch Eisenkähne wurden in einer
untertägigen Werft gebaut und gewartet.

Anfänglich wurde das Erz einfach in den Kahn geschüttet,
die Entladung der Kähne mittels Schaufel war mühsam.

Deshalb erfand man 1851 schon eine "Container-Transport-Methode".

Auf jedem Kahn standen nun 4 Kästen mit 0,75 Cubikmeter Inhalt,
die an den Beladestellen befüllt wurden.

Den beladenen Kahn zogen die Schiffer dann so genau unter einen
Förderschacht, dass der Kasten (Container) mit Ketten an das
Förderseil des Schachtes befestigt und ohne Umladung zutage
gezogen werden konnte.

Diese besondere nur unterirdische Förderung in Erzlastkähnen
war in Deutschland auf das Gebiet des Westharzes beschränkt.
In allen anderen bekannten Einsätzen von Frachtbooten für den
Abtransport von Mineralen verliessen diese mit ihrer Fracht das
Bergwerk über die Stollenmundlöcher.

Anders als die Schiffer auf Meeren, See' n, Flüssen und Kanälen
verrichteten die Fahrensleute im kalten und nassen Bergwerk
ihre Arbeit in fast völliger Dunkelheit, nur das trübe Licht einer
Öllampe leuchtete schwach den Fahrweg des Kahnes aus.

   

 

   

Die Epoche der Oberharzer Grubenschiffahrt war in ihrer Zeit
ein mutiges Meisterwerk der Bergbautechnik das in der 68jährigen
Betriebszeit
auch von wirtschaftlichem Erfolg war.


Die Altvorderen nötigen uns heute für ihre Leistungen
Respekt und Hochachtung ab.
   






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