Erinnerungen an den historischen Steinkohlenbergbau
im Gesamtbergamt Obernkirchen-Barsinghausen.









Allgemeines.



Bei Aufräumarbeiten fand ich diese 63 Jahre alten Beschäftigungszeugnisse:








Rückbetrachtung.

Nach der Schließung des Gesamtbergbaues Obernkirchen-Barsinghausen
vor einem halben Jahrhundert (1960) sind nur noch wenige Zeitzeugen am Leben,
die über diese harte Arbeitswelt aus eigenem Erleben berichten können.

Es ist heute kaum zu vermitteln was nach dem Ende des zweiten Weltkrieges den Bergleuten
in diesem Bergbaugebiet und seinem sogenannten Notbergbau abverlangt wurde.
Der Kohleabbau in niedrigen Flözen mit einer Höhe von 38 bis maximal 75 Zentimetern
war härteste körperliche Arbeit bis an den Rand der totalen Erschöpfung.
Bei Bitumengestank, Dreck, Lärm, Hitze und Nässe wurde im Liegen die Kohle
mit dem Preßlufthammer aus dem Flöz gebrochen und auf eine Stahlrutsche geschaufelt.
Am Ende der 7stündigen Schicht musste das Fördermittel Rutsche näher an die Strebfront
herangezogen und der entstandenen Flöz-Hohlraum mit Holzstempeln und Bohlen verbaut werden.



Abbildung zeigt den Hauer beim Setzen des Stempel (Prempel),
der eine nach rechts hängende Bohle(Spaler) gegen
das Hangende presst. Vor seinen Füssen liegt der zweite Stempel
der noch an das andere Ende der Bohle gesetzt werden muß.


Nach der Ausfahrt: " Die Zigarette danach"
   












Exkurs zur Geschichte des Steinkohlenbergbaues im
Gesamtbergamt Obernkirchen-Barsinghausen.

Legende.
Als ältester Beleg der Kohlengewinnung in diesem Gebiet gilt eine Rechnung der
Propstei Obernkirchen aus dem Jahr 1498 über eine Steinkohlenlieferung.
Die gräfliche Güterverwaltung (Rentkammer) der regierenden Grafen ANTON und JOHANN
erteilte nachweislich 1520 die Erlaubnis "Kuhlen zu schlagen" an reiche Stadthagener-Bürger.
Von der gewonnene Kohle mußte ein bestimmter Teil an die Rentkammer abgeliefert werden.
1522 wurden die privaten Unternehmungen verstaatlicht, die Kohlengruben zusammengefaßt
und mit ihren Betrieb sogenannte "Kohlevogte" beauftragt.
Erst ab 1560 entwickelte sich die für den Bergbau typische hierarchische Verwaltungsstruktur.
Die Obernkirchner Steinkohle wurde historisch für Schmiedearbeiten und zum Bierbrauen,
Salzsieden und Kalkbrennen verwendet.
Zum Heizen wurde bis zum 19.Jahrhundert nur Holz und Torf genutzt.

Bald gewann die Kohle auch außerhalb der Region an Bedeutung und wurde zum
wichtigsten Ausfuhrgut der Grafschaft Schaumburg.
1536 wurde die erste Kohle auf der Weser nach Bremen an die Schmiedegilde verfrachtet.
Lieferungen erfolgten danach auch nach Hildesheim, Bodenwerder, Hannover und Horn -
später auch nach Braunschweig, Osnabrück, Kassel und Halberstadt.
Im 30.jährigen Krieg stockte die Kohleausfuhr zeitweilig.

1601
bis 1622 soll die jährliche Kohlegewinnung mit 300 Bergleuten 30.000 Fuder betragen haben.

1640, nach dem Tod des Grafen OTTO V, des Letzten der Linie Holstein-Schaumburg begann ein
Erbstreit der erst 1648 beigelegt wurde. Die Grafschaft Schaumburg wurde danach zweigeteilt,
die Kohlengruben blieben im gemeinsamen Besitz unter der Verwaltung beider Landesherren.
Seit jener Zeit wird vom "Sambt- Kohlenbergwerken" gesprochen.

1825 förderten 500 Bergleute 44.000 Tonnen Kohle.

1841 wurden alle Bergwerke als "Schaumburger Gesamtsteinkohlenbergwerke" zusammengefaßt
und in folgende Reviere unterteilt:
1. Altes Obernkirchener Revier,
2. Neues Obernkirchener Revier,
3. Südhorster Revier,
4. Sülbecker Revier,
5. Stadthäger Revier,
6. Soldorfer Revier,
7. Schierborner Revier;
8. I. bis III. Tiefbaurevier.

1857 förderte eine Belegschaft von 1.300 Mann 133.250 Tonnen Kohle

1866 änderten sich die Besitzverhältnisse abermals, nun war PREUSSEN zu 3/6, das Land
Schaumburg-Lippe zu 2/6 und der Fürst ADOLF zu Schaumburg-Lippe zu 1/6 am Gesamtbergamt
Obernkirchen beteiligt.
1925 verkauft der Fürst seinen Anteil an den Preussischen Staat. Die verbleibenden 2 Eigentümer
gründeten nun die Obernkirchener Gesamtbergamt GmbH.
1940 schied der Freistaat Schaumburg-Lippe aus dem Unternehmen aus, damit kontrollierte
PREUSSEN mit seiner "Preußischen Bergwerks-und Hütten AG" (spätere Preußag) das gesamte
Bergbaugebiet. Man vereinigte die Steinkohlenbergwerke Obernkirchen und Barsinghausen und
benannte ihn "Gesamtbergamt Obernkirchen-Barsinghausen".
1941 wurde seine Verwaltung nach Barsinghausen verlegt.

Bis zur Stillegung 1960/61 betrug die durchschnittliche Kohleförderung 400.000 Tonnen pro Jahr
mit einer Belegschaftsstärke von 2.900 Mann.

(Ohne die Extra-Fördermengen des Notbergbaues nach 1945).

In den letzten Jahren vor der Stillegung wurden jährlich 255.000 Tonnen Kohle verkokst.
An Nebenprodukten fielen Teer, Ammoniumsulfat und Motorenbenzol an.
Der Koks wurde an Hüttenwerke, Gießereien, Zuckerfabriken, Zementfabriken und zu
Heizzwecken an Haushalte geliefert.










Exkurs zum Notbergbau.


Aus dem Kohlemangel nach dem 2.Weltkrieg entstand ein regionaler Notbergbau,
der bis zur Währungsreform, teilweise auch danach zusätzlich die Kohle in Kleinbetrieben abbaute.
Es wurden aschereiche Kohlen abgebaut die man früher als nicht abbauwürdig unverritzt gelassen
hatte. Aber auch stehengebliebene Pfeiler wurden hereingewonnen.
Typische Notbetriebe, die den Absatz ihrer Kohle selbst handhabten, förderten jährlich mit
Belegschaften von bis 39 Mann bis zu 4.500 Tonnen Kohle.










Gründe für die Aufgabe des jahrhundertealten Steinkohlebergbau-Gebietes.


Der Anteil der Wealdenkohle an der westdeutschen Steinkohleförderung betrug 1960 nur 0,2% -
ihre Bedeutung lag durch den Frachtvorteil nur auf regionaler Ebene.

Auf dem Energiemarkt wuchsen Ende der fünfziger Jahre die Anteile von Erdöl und Erdgas und
verdrängten die Kohle. Die Industrie aber auch private Verbraucher stellten auf Erdöl und Erdgas um.
Die Bundesbahn elektrifizierte ihr Streckennetz und fiel damit als Kohle-Großverbraucher aus.
Mit dem Niedergang des deutschen Erzbergbaues und seiner Erzverhüttung vergrösserte sich
der Verbrauchs-Ausfall.

Die Qualität der regionalen Kohle verschlechterte sich. Bis dahin war Obernkirchener Koks gefragt,
weil sein Aschegehalt niedrig war. Die hohe Qualität und die Menge konnten nur gehalten werden,
wenn die schlechtere aschereichere Kohle des Ostfeldes mit der besseren Kokskohle des
Westfeldes verschnitten wurde. Die Situation des 2. Weltkrieges verzögerte den erweiterten
Aufschluß des Ostfeldes - das Westfeld war fast ausgebeutet.
Aus Mangel an qualitativ guter Kohle musste die Kokerei 1960 schliessen.
Die aschereichere Kohle konnte nur noch als Kesselkohle verwendet werden.

Schon seit 1937 machte die "Gesamtbergamt Obernkirchen GmbH" Verluste, in den Jahren des
zweiten Weltkrieges betrugen sie jährlich bis zu 2 Millionen Reichsmark.
Die erforderlichen neuen Schächte Lüdersfeld und Auhagen kosteten 90 Millionen DM.

Aus diesen Gründen entschloß sich die Preußag AG den Bergbau im Gesamtbergamt Obernkirchen-Barsinghausen
1960 stillzulegen und wirtschaftliche Interessen ganz auf das wertvollere Karbonkohlevorkommen in Ibbenbüren zu legen.






 
 
Für Jahrzehnte war das Steinkohlebergwerk "Georgschacht" (hier ein Foto von 1952) das Symbol für den Bergbau der Region.
Der 251,3 Meter tiefe Schacht I wurde 1902 in Betrieb genommen,
1928 kam der 372 Meter tiefe Schacht II dazu.
Kohlenwäsche, Kokerei, Werkstätten und Nebenbetriebe entstanden schon 1902.



 



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